Geschichte der Kirche von der Schmerzhaften Mutter in Bracht (Matris Dolorosae)

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Kirche von der Schmerzhaften Mutter in BrachtInnerhalb der Pfarre Reuland bilden die Dörfer Bracht und Maspelt ein Rektorat. Bracht liegt an einem Berghang zwischen Burg-Reuland und Maspelt, etwa 3 Km von Burg Reuland entfernt. Von weither erkennt man das kleine schmucke Dörflein Bracht inmitten von Feldern und Wiesen.

 

Die Kapelle zur Schmerzhaften Mutter in Bracht wurde 1695 durch den Pfarrer Mathias BREITFELD von Reuland, aus eigenen Mitteln erbaut. Sie ist unserer Lieben Frau von Luxemburg geweiht und wurde 1704 benediziert. Sie gehörte ursprünglich zur Pfarre Thommen. 1803 wurde sie Filialkirche von Burg Reuland. Im Jahre 1865 wurde die alte Anlage wegen Baufälligkeit durch einen Neubau ersetzt, wobei man einzelne Architekturteile der alten Kirche verwertete. Unter Rektor HEUSER wurde das Kirchenschiff im Jahre 1935 um etwa ein drittel des bisherigen Volumens nach Norden hin verlängert (außen sichtbar am Mauerwerk), daran angegliedert der als halbrund gebaute Chorraum. Aus diesem Zeitraum stammt wahrscheinlich auch die nach Osten an den Chorraum angebaute zweigeschossige Sakkristei. Im Stichbogen, an der Außentüre der Sakristei, finden wir die Jahreszahl 1695. Die Kirche ist ein einschiffiges Gebäude, aus hiesigem, bräunlichem, schieferhaltigem Bruchstein erbaut.

 

Im Jahre 1991, aus Anlass des 50 jährigen Priesterjubiläums von Herrn Rektor Franz Jaegers, wurde der Innenraum der Kirche mit einem neuen Anstrich versehen. Gleichzeitig wurde die Elektrische Anlage erneuert und die Kirche mit neuen Leuchtkörpern versehen. Das Satteldach wurde, gemäß seinem Urzustand, in den Jahren 2005-2006 neu eingedeckt.

 

Der Turm im Süden ist zweigeschossig, unter achtseitigem Schieferturmhelm. Im oberen Geschoss befinden sich rundbogige Schalllöcher. Die älteste der beiden Glocken im Turm stammt aus dem Jahre 1698. Sie hat einen Durchmesser von 60 cm und trägt folgende lateinische Aufschrift: VIGILATE ET ORATE DEO CONFIDENTES. (Wachet und betet, indem ihr auf Gott vertraut.) Auf dem Glockenrand sind noch die Abbildungen zweier Jagdszenen: ein hoch zu Ross sitzender Jäger verfolgt mit zwei Hunden ein Wildschwein, und ein Bauer will einen Hirsch mit einer Heugabel erlegen.

 

Im 1. Weltkrieg wurde eine der beiden Glocken aus dem Turm entfernt und blieb verschollen, d.h. sie wurde eingeschmolzen. An ihrer Stelle wurde im Jahre 1925 bei Slegers-Causard in Tellin eine neue gegossen, die einen Durchmessr von 60 cm und ein Gewicht von 80 kg hat. Sie stand im 2. Weltkrieg auf der Abgabenliste und wanderte ebenfalls zu Kriegszwecken in den Schmelzofen.

 

Im Jahre 1953 wurde eine neue Glocke gegossen, die einen Durchmesser von 50 cm hat.

 

Ihre Aufschrift lautet: SANCTA DEI GENITRIX MISERIS SUUCCURIT IN HORA - 1953. (Die hl. Muttergottes hilft den Erbarmungswürdigen in der Stund). Das lateinische Wort "hora" könnte man auch "in jeder Stund" oder "in der Not" übersetzen. Man hat diesen Spruch von der im Krieg abhanden gekommenen Glocke übernommen. Auf der Glocke ist noch eine Abbildung der Schmerzhaften Muttergottes. Die Glockenweihe fand 1954 statt. Die Kirche besitzt eine elektrische Läuteanlage, doch haben die Glocken einen sehr bescheidenen Klang.

 

Quelle: Geschichtsverein „Zwischen Venn und Schneifel“, St. Vith (Hsg.): Kurt Fagnoul, Glocken aus Kirchen, Klöstern und Kapellen, St. Vith 1989, S. 67.

 

Der Eingang der Kirche befindet sich im Turm, in der Mittelachse der Kirche. Das Portal ist umrahmt mit verziertem Sandstein. Das Gesims des Portals ist datiert mit der Jahreszahl 1695. Darauf eine Portalnische mit Darstellung der Gottesmutter als Pieta und der Inschrift: „MARIA CONSOLATRIX AFFLICTO/RUM DUCATUS LUXEMBURGENSIS/PATRONA ELECTA: 20JANUARII 16.78“ Über der Portalnische, auf Höhe der Orgelempore, ein breites, rundes Ochsenauge.

 

Abgewinkelt gegen den Turm und die Fassade der Kapelle, rechts angesetzt, weiß verputztes Pfarrhaus mit Rahmungen der Öffnungen. Drei Achsen und zwei Geschosse. Schiefersatteldach. 19. Jh.

Das alte Portal war durch Witterungseinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen und wurde 2007 nach dem Vorbild des alten durch ein neues ersetzt.

 

Quelle: Verwaltung der Deutschsprachigen Gemeinschaft (Hsg.): Denkmälerverzeichnis, 3. Burg-Reuland,1988, S. 46-48.

 

Der Altar aus dem 18. Jh. hat Säulenaufbau mit neuer Figur; die alte Pieta des Aufsatzes befindet sich im Museum in St. Vith (vgl. Neu / Reiners S. 214). Neu / Reiners beschreibt den Altar mit zwei Barockfiguren des hl. Franziskus und des hl. Ignatius auf den seitlich abschließenden Holzwänden des Altars. Diese befinden sich heute auf zwei an der Wand befestigten Konsolen vor dem Chorraum.

 

Quelle: Heinrich Neu / Reiners Heribert (Hsg.): Die Kunstdenkmäler von Eupen / Malmedy, Düsseldorf 1932, Nachdruck 1982.


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