Geschichte der St. Hubertus-Kapelle von Weweler

Pfarre Burg Reuland >>

Die Kirche von Weweler hat heute vor allem geschichtlichen Wert. Seitdem Reuland zur Pfarrkirche erhoben wurde verlor sie zunehmend an Bedeutung für den Kult. Lediglich für Beerdigungen der Einwohner des Dorfes Weweler und Stoubach, sowie an Allerheiligen und am Fest der Kirchenpatrone, des hl. Hubertus und des hl. Wendelinus, wird sie benutzt. Es befinden sich nur wenige liturgische Gebrauchsgegenstände in der Kirche. Diese werden vom jeweiligen Zelebranten von Reuland für den Gottesdienst mitgebracht. Der Bezug zur Pfarre Reuland bleibt vor allem durch den Friedhof erhalten. Seit Menschengedenken bestatten hier neben den Bewohnern aus Weweler ebenso die Pfarrangehorigen aus Reuland, Lascheid, Alster und Stoubach ihre Toten. In der Nähe des Zusammenflusses von Ulf und Our auf einer Anhöhe gelegen ist die Kirche, neben der Burg, zum Wahrzeichen von Reuland geworden.



"Wewilwre" wird mit einer Kirche urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1313 erwähnt.

 

Der Ort gehörte zum Hofe Thommen. Ein Pfarrer wird zuerst im Jahre 1495 genannt mit Pfarrer Nicolaus.

 

Von der ältesten Anlage des 13. Jh. ist vermutlich der Turm der jetzigen Kirche erhalten (schwarz eingezeichnet). Langhaus und Chor wurden im 15. Jh. neu errichtet, im 16. Jh. das ursprünglich einschiffige Langhaus zweischiffig erweitert und einheitlich gewölbt (braun eingezeichnet). Die Eingangshalle wurde im Jahre 1735 vorgelegt, damals wohl auch die Sakristei errichtet und die westlichen Langhausfenster geändert (gelb eingezeichnet).

 

Der Turm wurde wiederholt vom Blitz getroffen, so in den Jahren 1678 und 1711. Bei der Wiederherstellung im Jahre 1712 wurde er um die jetzige Glockenstube erhöht und mit einem malerischen barocken Heim versehen, der aber im Jahre 1918 abermals durch Blitz zerstört und erst 1986 wiederhergestellt wurde.

 

Bei dem Brand im Jahr 1918 fielen die Glocken herunter und waren geborsten. Eine dieser Glocken war dem hl. Matthias geweiht und trug folgende Aufschrift: SANCTUS MATHEUS HEISCHEN ICH, JAN VAN TRIER GOUS MICH ANNO D541 MVCXXVII = 1527. Im Jahre 1923 ließ man zwei neue Glocken gießen. Auf einer stand zu lesen: MATHAEUS HENRICUS 1627 PER JOANNEM TREVIRENSEM FACTAM 1918 FULGURE FRACTAM 1923 RESTAURATAM DEUS SERVET INCOLUMEM. FONDERIE DE CLOCHES C. SLEGERS-CAUSARD TELLIN. (Matthäus Heinrich. 1627 von Johann von Trier geschaffen. 1918 vom Blitz gebrochen. 1923 wiederhergestellt. Gott bewahre mich unversehrt.)

 

Hier hat man sich bei der Jahreszahl des ersten Gussdatums um 100 Jahre vertan! Edmund Renard hat sich bei der Identifzierung der Jan-van-Trier-Glocken ebenfalls um drei Jahre geirrt und gab als Gussdatum 1524 an. Leider ist uns der Text der neuen Hubertusglocke nicht überliefert. Man kann aber mit Sicherheit annehmen, dass auch sie bei Slegers gegossen worden war.

 

Im 2. Weltkrieg finden wir die beiden Glocken auf der Abgabenliste im B-Verzeichnis. Die größere hatte einen Durchmesser von 90 cm und ein Gewicht von 450 kg, die kleinere wog 310 kg und hatte einen Durchmesser von 80 cm. Beide wurden eingeschmolzen.
Unter Pfarrer Cordewener von Reuland wurden nach dem Krieg zwei neue Glocken geweiht. Die Feier fand in der Pfarrkirche von Reuland statt. Die größere hat einen Durchmesser von 93 cm und ist dem hl. Hubertus geweiht. Die Aufschrift lautet: LAUDO DEUM VERUM ET DEFUNCTOS PLORO. (Ich lobe den wahren Gott und beweine die Toten.)

 

Die kleinere hat einen Durchmesser von 83 cm und ist der hl. Agatha geweiht. Hier hat man einen deutschen Glockentext gewählt: AGATHA HEISS ICH, DIE LEBENDEN RUF ICH, DIE TOTEN BEKLAG ICH. Beide Glocken schmückt ein Kruzifix sowie eine Abbildung der Muttergottes. Zudem stehen auf beiden Glocken die Jahreszahl 1952 und ein Hinweis auf den Glockengießer: FUSOR CAUSARD NEPOS G. SLEGERS TELLIN. (Gießer: Causard-Enkel G. Slegers, Tellin.) Beide Glocken wurden übrigens auf Kriegsschädenvergütung angeschafft. Bei der Hubertusglocke übernahmen Peter Zeyen und Martha Zeyen-Lampertz von Weweler die Patenschaft; bei der Agathaglocke waren es Franz Fonk und Frl. Maria Fonk, beide aus Reuland.

 

Für die Weweler Glocken besteht eine genaue Läuteordnung: Sie läuten nur am Hubertustag (3. November), am Fest der hl. Agatha (5. Februar) und am Festtag des hl. Wendelinus (20. Oktober); wenn ein Einwohner aus Weweler, Diepert oder Stoupbach stirbt, wird er in Weweler begraben. Zu diesem Anlass sowie auch auf Allerheiligen und Allerseelen werden die Glocken ebenfalls geläutet; und schließlich bei der alljährlichen Reuländer Fronleichnamsprozession. Quelle: Kurt Fagnul, Glocken aus Kirchen, Klöstern und Kapellen, 1989, S. 405.)

 

Der Hauptaltar ist laut einem Vertrag vom 24. Juli 1774 vom Bildhauer Hennes* (nicht Stennes, wie Neu / Reiners schreiben ) aus Neuerburg gefertigt und im Jahre 1777 durch Pierre de Hainausse in Farbe gesetzt worden. Die leicht geschwungene Rokokoverkleidung des Altars zeigt an der Vorderseite ein von Ornament umrahmtes Flachrelief des hl. Hubertus in Verehrung vor dem Hirsch. Der Aufbau ist ein freistehender Baldachin mit reich bewegtem Gebälk auf Säulen und ornamentierten Konsolpilastern. Den Tabernakel mit Voluten und anbetenden Engeln (10. Juni 2005 gestohlen) krönt eine Figur des hl. Hubertus als Bischof mit Stab und Horn, zu seinen Füßen ein Hirsch (10. Juni 2005 gestohlen). Auf der Rückwand des Baldachins ein farbiges Holzrelief der Verkündigung Mariens. Seitlich setzt sich der Schmuck in einheitlicher Form in Holzwänden mit Durchgangstüren fort, von ornamentierten Giebeln mit den Reliefs der Apostel Petrus und Paulus und Vasen bekrönt.

 

Die ebenfalls vom Bildhauer Hennes angefertigten Chorstühle mit vorne geschnitzten Kniebänken haben auf beiden Seiten Pulte mit drehbaren Eisenarmen und geschnitztem Adler auf einer Kugel. Die leicht geschweifte Kommunionbank , aus Holz, mit Balustern, schließt das einheitliche Bild des Chorraums ab.

 

Quelle: Heinrich Neu / Reiners Heribert (Hsg.): Die Kunstdenkmäler von Eupen / Malmedy, Düsseldorf 1932, Nachdruck 1982, S. 482-489.

* Mündliche Mitteilung von Pfarrer Willi Kessel.

 

Einer der beiden Seitenaltäre, 18. Jh., zweigeschossig mit Säulenaufbau zeigt den Besuch Marias bei Elisabeth. Oben eine Figur der hl. Agatha. Im Bodenbelag des Kirchenschiffs sind Grabplatten und Grabkreuze eingefasst. Zwei dieser Grabplatten erinnern an ehemalige Pfarrer von Reuland: Johannes Orep aus St. Veith, der zwischen 1583 und und 1611 sowohl als Pfarrer von Weweler und Reuland als auch als Personalist* von Thommen auftrat und Johann Andres (oder Andreas) aus St. Vith, der 1614 zuerst als Pfarrer von Thommen, dann als Pastor zu Ruland und Tombis betitelt wurde. An der Südwand, Epitaph des Freiherrn von Montigny.

 

Quellen:
1) Monatsblätter ‘Zwischen Venn und Schneifel‘, 10, 2005, S. 209-210. Vgl. dort ausführlich: ‘Herrschaft Reuland und Pfarrei Weweler‘, Namen-Verzeichnis der Pfarrer von Weweler / Reuland bis 1803.
2) Heinrich Neu / Reiners Heribert: S. 488-489. Vgl. die detaillierte Beschreibung der Grabplatten , der Grabkreuze und des Epitaphs des Freiherrn von Montigny in der Kirche von Weweler.

 

* Personalist: Der vom Herrn von Reuland ernannte jeweilige Personalist von Thommen galt als der rechtliche Pfarrherr von Thommen und bezog, ohne seelsorgliche Verpflichtungen, den Hauptteil des Zehnten, während ein gleichfalls vom Reuländer Herrn ernannter vicarius lebenslang und vom Personalisten durchaus unabhängig als eigentlicher Pfarrer von Thommen dort selbst die Seelsorge versah.

 

Die Fenster der Kirche sind ungleichmäßig. Im Westteil beiderseits je ein Rundbogenfenster des 18. Jh. in Blausteinrahmen, im Ostteil je ein Spitzbogenfenster in Rotsandstein (links). Der Chor hat, neben diesen Spitzbogenfenstern zwei in Blaustein gefasste Fenster des 19. Jh. (Mitte). Rechts, das Fenster der Vorhalle.
Seit vielen Generationen bestatten die Weweler, Reuländer, Lascheider, Alster und Stoubacher Pfarrangehörigen ihre Toten auf dem Weweler Friedhof rund um die Kirche. Im Juni 2003 segnete Pfarrer Willi KESSEL die Totenkapelle neben dem Friedhof ein. Sie wurde durch Spenden aus der Bevölkerung errichtet. Ein eigens zu diesem Zweck gegründeter Verein, Friedhofskomitee, trägt die Verantwortung für den Unterhalt und ist Eigentümer der Immobilie.


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