Geschichte der St. Michael-Kapelle in Lascheid

Pfarre Burg Reuland >>

Lascheid erscheint erstmals unter dem Namen ‘Landscheyt‘ und gehörte zur Herrschaft Reuland, kirchlich zur Pfarrei Weweler. Die erste Kapelle wurde im Jahr 1666 durch den Lütticher Weihbischof konsekriert. Sie war 44 Fuß lang, 22 Fuß breit, 30 Fuß hoch und dem hl. Michael geweiht. 1759 wurde die erste Kapelle niedergelegt und durch einen Neubau ersetzt. Errichtet wurde ein schlichter Bruchsteinbau mit dreiseitigem Altarraum, im Lichten 12,40 m lang und 6,30 m breit. Auf dem Dach ein Dachreiter.

 

Im Jahr 1902 wurde der Dachreiter durch den Turm an der Westseite der Kirche ersetzt. Dazu wurden drei Pläne erstellt. Laut Berechnungen des Zimmermeisters Johann Klein muss mit Kosten zwischen 1.780 und 2.110 Mark gerechnet werden. Man entschied sich für die billigste Variante.

 

Der Eingang der Kirche befindet sich im Turm, in der Mittelachse der Kirche. Der Turm ist zweigeschossig mit rotsandsteinernen Eckquadern. Aus dem selben Material sind die Umrandungen der rundbogigen Öffnungen. In der Mitte ein Ochsenauge, das Dach als oktogonaler Schieferturmhelm gefertigt.

 

Die einschiffige Kapelle hat dreiseitige Apsis, Tonnengewölbe in Lehmputz, über schmalem Gesims. Der Anbau einer Sakristei wurde 1989 in Eigeninitiative der Dorfbevölkerung vorgenommen. Zum Herstellen der Außenmauern verwendete man das Steinmaterial des alten Schulstalls. Gleichzeitig wurde eine Luftheizung für die Kirche installiert. Die Gemeinde Burg Reuland unterstützte die Initiative indem sie die Erdarbeiten übernahm.

 

Im Eingangsbereich der Kirche weisen zwei Tafeln auf zwei historische Ereignisse hin: In einer kurzen Historie verweist der Autor Emil GENNEN aus Reuland auf ein Dokument, datiert vom 27. Februar 1759, worin der Pfarrer Mathias BREITFELD aus Reuland bestätigt, dass die Kapelle von Lascheid wirklich in dem genannten Jahr niedergelegt wurde. Damit will er beweisen, dass schon vorher (seit 1666) hier ein Gotteshaus stand. In einer Chronologie listet er zudem die Namen der Priester auf, welche aus dem Dorf Lascheid hervorgingen. Auf der anderen Tafel verweist er auf zwei US-Militärgeistliche: Rev Cpt. Martin TULLY aus N.Y. Brooklyn (kath.) und Rev. Cpt. Earl STAINBROOK aus Zanesville (protest.). Beide waren mit Stab und Feuerleitstelle vom 3. Oktober bis 17. Dezember 1944 unter Col. KRUEGER in der hiesigen Schule stationiert.

 

Der Altar aus dem 18. Jh. zeigt schlichten Säulenaufbau mit geschnitzten Wangenbrettern. Im Giebel eine 45 cm hohe Holzfigur des hl. Laurentius. In der Mitte Tabernakel, darüber eine gekrönte Madonna mit Jesuskind, flankiert von zwei Repliken mit jeweils drei Kerzen. Rechts und links, auf Säulen, die beiden 90 cm hohen Freifiguren des hl. Petrus und Paulus. Rechts, auf Wandkonsole, Figur des Kirchenpatrons, des Hl. Michael.

 

Im Turm der Kapelle hängen zwei Glocken. Von den ursprünglichen ist keine erhalten geblieben. Die älteste, die heute im Turm hängt, ist aus dem Jahre 1907. Sie hat einen Durchmesser von 49 cm und eine Höhe von 39 cm. Der lateinische Glockentext: IN HONOREM STI.MICHAELIS ARCHANGELI. STE DONATE MR. ORA PRO NOBIS - 1907. (Zu Ehren des hl. Erzengels Michael. Hl. Donatus bitte für uns. 1907.) Die Gießervignette ist von Weintrauben umrankt. Wahrscheinlich ist, dass diese Glocke bei J. Mabillon & W. Hausen in Saarburg gegossen wurde. Auf der Glocke mit der Gießnummer 2478 ist ein Kruzifix abgebildet.

 

Im 1. Weltkrieg wurde eine Glocke aus dem Turm entfernt. Genaue Angaben liegen leider nicht vor. Im 2. Weltkrieg standen die Lascheider Glocken abermals auf der Abgabenliste, eine davon im B-Verzeichinis. Sie wird mit einem Durchmesser von 60 cm und einem Gewicht von 71 kg angegeben und war 1924 gegossen worden. Die zweite Glocke stand im D-Verzeichnis, d.h. sie gehörte zu den besonders erhaltungswürdigen Glocken. Ihr Gewicht wird mit 85 kg und ihr Durchmesser mit 54 cm angegeben. Sie soll ebenfalls 1924 gegossen worden sein, doch liegt hier höchstwahrscheinlich ein Irrtum vor, und es handelt sich um die Glocke aus dem Jahre 1907.

 

Dass im Jahre 1924 eine neue Glocke gegossen wurde, lässt darauf schließen, dass im 1. Weltkrieg eine Glocke abhanden kamm. Leider schlug für diese Glocke im 2. Weltkrieg die Schicksalsstunde. Nach Aussagen einiger Einwohner kehrte sie nach dem Krieg nach Lascheid zurück. Sie muss beschädigt gewesen sein, denn im Jahre 1953 gab man eine neue Glocke in Auftrag, die wiederum dem hl. Michael geweiht ist. Sie hat einen Durchmesser von 46 cm und eine Höhe von 39 cm. Auf der oberen Glockenflanke steht folgende Fürbitte : HL. ERZENGEL MICHAEL BESCHÜTZE UNS - 1953. Am unteren Rand steht der Name des Meisters: FUDIT ME CAUSARD NEPOS - G. SLEGERS TELLIN. (Mich goss der Enkel von Causard, G. Slegers aus Tellin.) Die Glocke schmückt außerdem ein Medaillon des hl. Erzengels Michael, der den Drachen bekämpft. Es scheint, dass früher bei Gewittern die Donatusglocke geläutet wurde. War die 1953 eingeschmolzene Glocke eine Donatusglocke? Wir wissen es leider nicht, denn jeglicher schriftliche Hinweis fehlt.

 

Zum Dorf Lascheid gehört der Ortsteil "Richtenberg".


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